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Blickpunkte in die Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts

Wolfgang Hach und Viola Hach-Wunderle

Das neue Buch wird am 9. Mai 2007 im Rahmen eine kleinen Festaktes anläßlich der 50. Tagung des Angiologischen Arbeitskreises Rhein-Main erscheinen.

 Die Verlegung erfolgt durch den Schattauer-Verlag Stuttgart. Das Buch umfasst 156 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und ist im Buchhandel zu erwerben. Es eignet sich für die eigene Lektüre mit spannenden Ereignissen aus verschiedenen Fachgebieten der Medizingeschichte, aber auch sehr gut als ein kleines Geschenk für Mitarbeiter und Freunde.

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Das 19. Jahrhundert ist in jeder Beziehung ein Zeitabschnitt der Superlative, in Soziologie und Kultur, Sport, Kunst, Verkehr und Wissenschaft. In medizinhistorischer Hinsicht vollzog sich hier der endgültige Umbruch von der antiken Säftelehre in die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise. Dabei waren die großen Entdeckungen der Medizin so gut wie immer mit dem persönlichen Lebenswerk einzelner Forscher verbunden, und - sie bewiesen Richtigkeit oder Irrtum oft am Schicksal eines einzelnen Patienten.

Die Autoren sind in ihrem Buch den literarischen Quellen einiger dieser Ereignisse nachgegangen. Sie haben Ärzte und Patienten mit ihren eigenen Worten sprechen lassen, um sie auf diese Weise im Kontext ihrer Zeit zu verstehen. Die ausgewählten Kapitel wurden ohne bestimmte Rangordnung aus der unendlich großen Vielfalt der Medizingeschichte des 19. Jahrhunderts herausgegriffen. Dabei erschien es überraschend, wie häufig doch personelle und inhaltliche Querverbindungen bei anfangs scheinbar weit auseinander liegenden Themen bestehen.

Einige Titel aus dem Inhalt:

Ein Beweis für die Infektiosität der Tuberkulose aus der Geburtshilfe anno 1874

Abhandlung über die Wassersucht bei Carl Canstatt anno 1843

Morbus Basedowii anno 1840

Samuel Hahnemann (175-1843), die Chinarinde und die Homöopathie

Armand Trousseau und das Trousseau-Syndrom der Venenthrombose anno 1867

Heinrich Hoffmann und der Beginn der Psychiatrie in Frankfurt am Main anno 1895

Die Diphtheritis des kleinen Eugène anno 1840

Ludwig Rehn und die erste Herznaht anno 1896

Der lange Weg zur Appendektomie

Die Lennander´sche Thromboseprophylaxe anno 1895

Karl Credé und die Augeneinträufelung der Neugeborenen anno 1879

Albert Zenker und die Entdeckung einer Trichinose-Endemie anno 1860

Zum Lesen des kleinen Buches ist medizinisches Fachwissen nicht erforderlich, und im speziellen Falle hilft auch ein Glossar. Die "Blickpunkte" erheben den Anspruch, das Allgemeinwissen über die Geschichte der Medizin aufzufrischen. Dem Interessierten führt das Studium des Buches die unglaubliche Entwicklung der Medizin innerhalb recht kurzer Zeit unserer Menschheitsgeschichte vor Augen, und dem Arzt erklären sich Zusammenhänge für das Verständnis der aktuellen Lehre.

Eine Leseprobe

Die Diphtheritis des kleinen Eugène anno 1840

"Seine Hände waren glühend heiß, sein Gesicht war

gerötet, seine Stimme seltsam rauh. Von Minute zu Minute nahm seine Atemnot zu. Das Kind lag mit dem Kopf seitlich auf dem Kissen, runzelte unablässig die Brauen, blähte die Nasenflügel; sein armes Gesichtchen wurde bleicher als die Leintücher, und bei jedem der immer kürzeren, trockenen und geradezu metallischen Atemzüge drang aus seinem Kehlkopf ein Pfeifen. Sein Husten glich dem Geräusch der barbarischen Mechanismen, durch die ein Pappmachéhund bellt.

Bald fingen die schrecklichen Hustenanfälle von neuem an. Zuweilen richtete sich das Kind plötzlich auf, Krämpfe erschütterten seinen Brustkorb, und beim Atmen höhlte sich sein Bauch, als sei es gerannt und ringe nach Luft. Dann sank es mit weit aufgerissenem Mund zurück auf den Hinterkopf.

Der Arzt untersuchte sodann seinen Hals, legte den Kopf an seinen Rücken und schrieb ein Rezept. Er sagte, er werde am Abend wiederkommen.

Es dauerte lange, bis man Eis fand. Die Schweinsblase mit den Stücken platzte. Das Hemd musste gewechselt werden. Diese Störungen riefen einen neuen, noch schrecklicheren Anfall hervor. So als wollte es das ihm die Luft raubende Hemmnis entfernen, begann das Kind an seinem Halswickel zu reißen, und auf der Suche nach einer Stütze, um atmen zu können, kratzte es an der Wand, und packte die Vorhänge seines Lagers , sein Gesicht war nun bläulich, und sein ganzer, von kaltem Schweiß bedeckter Körper schien magerer zu werden. Sein verstörter Blick richtete sich angstvoll auf seine Mutter. Es warf ihr die Arme um den Hals, umklammerte ihn verzweifelt. Dann erzitterte der Kleine von oben bis unten wie eine Welle unter einem Windstoß; seine Aufäpfel traten vor. Er atmete noch. Die Stunden lösten einander ab. Die Stöße seiner Brust warfen ihn vornüber, wie um ihn zu zerbrechen; zuletzt würgte er etwas Seltsames hervor, das wie eine Pergamentrolle aussah. Die Mutter dachte, er habe eine Stück seiner Eingeweide erbrochen. Aber er atmete tief, regelmäßig".


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